Erstellung eines Leerstandskatasters - ein gemeinschaftliches Projekt des Amtes Kleine Elster sowie der Städte Doberlug-Kirchhain und Sonnewalde

Sonnewalde, den 22.11.2017

Aufgrund des fortschreitenden demografischen Wandels haben immer mehr Kommunen in ländlich geprägten Regionen, insbesondere Ostdeutschlands, mit wachsendem Leerstand zu kämpfen. Vor allem kleinere Städte, Ämter und Gemeinden und deren Ortsteile sind von diesem Phänomen betroffen. Während das einzelne leer stehende Gebäude in der Regel für die Allgemeinheit „verschmerzbar“ ist und zunächst nur für den Eigentümer ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis birgt, stellt eine Ballung von Leerstand ein strukturelles Problem für eine Kommune dar. Wenn der Leerstand straßen- oder gar ortsbildprägende Dimensionen erreicht, sinkt die Lebensqualität der verbleibenden Einwohner und damit auch deren Bleibebereitschaft. Die Orte werden als im Niedergang befindlich wahrgenommen.

Es ist grundsätzlich schwierig, in schrumpfenden Regionen wirksame Strategien zur Vermeidung bzw. zum Umgang mit Leerstand zu entwickeln. Keine Strategie zu entwickeln und die Prozesse allein den Kräften des freien Marktes zu überlassen, ist aus Sicht der Städte Doberlug-Kirchhain und Sonnewalde sowie des Amtes Kleine Elster nicht mehr länger der favorisierte Weg, weshalb sie sich entschlossen haben, gemeinsam ein Leerstandskataster zu erstellen, welches die Voraussetzung für eine wirksame Leerstandsstrategie darstellt.

Mit Hilfe der aus dem Leerstandskataster gewonnenen Daten soll eine zusätzliche verlässliche Planungsgrundlage für die Entwicklung der sozialen und technischen Infrastruktur geschaffen werden, auf deren Basis nachhaltige Investitionsentscheidungen möglich sind. Ebenfalls streben die drei Partner an, attraktive leer stehende Gebäude gemeinsam besser als bisher zu vermarkten und einer Wiedernutzung zuzuführen. Damit kann auch der raumordnerische Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ unterstützt werden, indem Baubegehren auf brach gefallene Grundstücke gelenkt werden und die Neuinanspruchnahme von Flächen minimiert wird.

Weiterhin soll mit dem Leerstandskataster ein „Frühwarnsystem“ für perspektivisch zu erwartenden Leerstand (potenzieller Leerstand) eingerichtet werden. Anhand demografischer Daten und unter Zugrundelegung wissenschaftlich fundierter Annahmen lassen sich Vorhersagen darüber treffen, wann und wo Leerstand zu erwarten sein wird. Die Kommunen können mit Hilfe dieser Informationen dann sowohl Maßnahmen ergreifen, um den Leerzug zu vermeiden oder zeitlich zu verschieben als auch den nicht abwendbaren Leerstand bereits frühzeitig in ihren Planungen und Investitionsentscheidungen berücksichtigen.

Auch wenn die jüngste Bevölkerungsentwicklung positiver verlief als die Prognosen der letzten Jahre vorausgeschätzt hatten, werden die betroffenen Kommunen so wie der gesamte Landkreis Elbe-Elster weiterhin mit den Folgen des demografischen Wandels umgehen müssen. Neben dem anhaltenden Bevölkerungsrückgang wird auch vermehrt das Ansteigen des Durchschnittsalters zu einer Herausforderung für die Region. Immer mehr alte Menschen werden betreuungsbedürftig sein und erhöhte Anforderungen an Barrierefreiheit sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum stellen. Mit Hilfe der aus dem Leerstandskataster gewonnenen Daten können dann einerseits Hauseigentümer dahingehend beraten und unterstützt werden, pflegebedürftigen Bewohnern durch Umbaumaßnahmen das längere Verweilen in der Wohnung zu ermöglichen und so den Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung zeitlich zu verschieben. Sofern der Leerzug der Wohnung nicht vermieden werden kann, besteht die Möglichkeit, den Eigentümer bei der Vermarktung zu unterstützen. Wenn auch dies nicht gelingt, kann die Kommune das Wissen über das leer stehende Gebäude in ihren Planungen berücksichtigen.

 

Die beteiligten Kommunen haben in einer Machbarkeitsstudie drei Varianten zur Erstellung eines Leerstandskatasters auf ihre Umsetzbarkeit und das Kosten-Nutzen-Verhältnis untersuchen lassen. Das Spektrum reichte von einer vollautomatisierten Erhebung allein durch die Auswertung vorhandener Daten bis hin zu einer reinen Vor-Ort-Erhebung durch Inaugenscheinnahme aller Grundstücke. Eine Kombination beider Varianten, die in einer ersten Stufe aus der Auswertung bestehender Daten und in einer zweiten Stufe der Vor-Ort-Erhebung von Zweifelsfällen besteht (in die die Ortsteilbürgermeister mit einbezogen werden), wurde als Variante mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis identifiziert und deshalb als Vorzugsvariante weiterverfolgt, die nun umgesetzt wird.

 

Hierfür werden Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond für Entwicklung des ländlichen Raumes sowie der europäischen Union bereitgestellt. Das Leerstandskataster wird zum Ende des Jahres 2017 fertiggestellt.

 

Weitere Informationen zur Erstellung erhalten Sie im Download oder Informationen zu den Fördermittelgebern unter www.eler.brandenburg.de und ec.europa.eu/agriculture/index.de